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Infolge des jahrelangen Krieges sind viele Bildungseinrichtungen für Kinder in Syrien und Rojava in einem schlechten Zustand. Hinzu kommt, dass fehlende finanzielle Ressourcen sowie instabile politische Rahmenbedingungen den Zugang zu verlässlicher Bildung erschweren. Die militärische Eskalation der mehrheitlich islamistisch geprägten Übergangsregierung unter Al-Schaara gegen den mehrheitlich kurdischen Nordosten verschärfte diese strukturellen Defizite zusätzlich.

Vier Schulen wurden 2025 renoviert

Der Städtepartnerschaftsverein Dêrik–Friedrichshain-Kreuzberg ermöglichte im Jahr 2025 gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk „Global Care” die Renovierung von vier Schulen in der nordostsyrischen Stadt Dêrik und ihrem Umland. Grundlage hierfür waren Fördermittel in Höhe von rund 120.000 Euro, die unter anderem aus Mitteln der „Aktion Deutschland hilft“ bereitgestellt wurden. Das Ziel bestand darin, schwer beschädigte Schulgebäude wieder nutzbar zu machen und somit die Bildungsmöglichkeiten sowie die Zukunftschancen von Hunderten Schulkindern nachhaltig zu verbessern. Auf diese Weise leistet das Projekt einen konkreten Beitrag zur Förderung von Bildung und stärkt langfristig sichere Lernumgebungen im Sinne des Nachhaltigkeitsziels SDG 4 der Vereinten Nationen.

Weshalb sind die meisten Schulen so marode?

Viele der Schulen stammen noch aus der Zeit des Assad-Regimes oder sogar aus früheren Epochen und befanden sich in einem katastrophalen Zustand. Marode Dächer, beschädigte Mauern und eine fehlende Infrastruktur prägten den Schulalltag. Die Gebäude erinnerten vielerorts eher an Gefängnisse als an Orte des Lernens.
Die Situation verschärfte sich zusätzlich durch das schwere Erdbeben im Jahr 2023, das auch in Dêrik erhebliche Schäden anrichtete. Während die internationalen Medien vor allem über die Auswirkungen in der Türkei berichteten, blieben die Folgen in Nordostsyrien weitgehend unbeachtet.
Gleichzeitig fehlt es der Selbstverwaltung an finanziellen Mitteln, um diese Schäden eigenständig zu beheben. Die Region steht unter enormem Druck: Hunderttausende Binnenvertriebene müssen versorgt werden.
Vor diesem Hintergrund sind funktionierende Schulen keine Selbstverständlichkeit. Entsprechend groß war die Bedeutung der Renovierungsprojekte – und die Erwartungen der Menschen vor Ort. Eine Mutter brachte es während einer Elternversammlung zu Beginn der Bauarbeiten auf den Punkt:

„Es ist wichtig, dass diese Schule für uns alle ein Ort des Friedens und des Wissens bleibt. Und ich hoffe, dass die Kinder auch weiterhin in ihrer Muttersprache lernen können – das gibt ihnen Vertrauen und Selbstbewusstsein.“

Was musste vor allem renoviert werden?

Ein besonders umfangreiches Projekt war die Sanierung der Karasor-Schule. Die ursprünglich auf rund 11.000 Euro veranschlagten Kosten wurden angesichts des tatsächlichen Zustands und zusätzlicher Maßnahmen auf insgesamt 38.180 Euro erhöht. Neben der Reparatur von Erdbebenschäden wurden die Wasserleitungen und die Elektrik erneuert, die Klassenräume gestrichen und der Schulhof befestigt und eingezäunt. Ein neu angelegter Schulgarten ergänzt das Gelände. Zum Abschluss erhielten alle 64 Schüler*innen Schulrucksäcke mit Lernmaterialien.
Auch die anderen Schulen konnten deutlich verbessert werden. So wurde die Saleh-Damok-Schule im Dorf Til Sidiq mit rund 19.500 Euro renoviert, wobei insbesondere das Dach und die Innenräume instandgesetzt wurden. Die Khader-Daoud-Schule im Zentrum Dêriks ist eine der ältesten Schulen der Stadt und hat 216 Schülerinnen. Sie erhielt Fördermittel von rund 19.000 Euro. Die Delil-Suweidiya-Schule im etwa zehn Kilometer entfernten Dorf Suweidija Fokani wurde mit rund 41.500 Euro unterstützt. Dort lernen über 400 Schülerinnen in zwei Schichten nun endlich unter besseren Bedingungen.
Die Initiative Make Rojava Green Again hat alle Projekte vor Ort in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung umgesetzt.
Anfang 2026 sah sich Dêrik jedoch neuen Herausforderungen gegenüber, als islamistische Milizen Rojava erneut angriffen und eine Fluchtbewegung auslösten. Viele Menschen suchten in Dêrik Schutz, sodass die Infrastruktur kurzfristig umfunktioniert werden musste. So wurde beispielsweise die frisch renovierte Khader-Daoud-Schule (s. Foto oben) zur Unterkunft für Geflüchtete umfunktioniert. Der Unterricht wurde vorerst ausgesetzt.
Die Schulprojekte in Dêrik zeigen, wie konkrete Verbesserungen entstehen können – und zugleich, mit welchen anhaltenden Herausforderungen die Menschen vor Ort konfrontiert sind. Sie machen deutlich, was möglich ist, wenn internationale Unterstützung an lokales Engagement anknüpft. Entscheidend bleibt, Strukturen zu stärken, die langfristig eigenständiges Handeln in der Region ermöglichen. Trotz anhaltender Unsicherheiten entstehen so vor Ort wichtige Perspektiven und Räume des Zusammenkommens.